Titel

 

Am 15. und 16. August 1928 liefen die beiden Schiffe vom Stapel.
Die "Bremen" wurde am 16.7.1929 in Dienst gestellt, die "Europa" erst am 19.3.1930, weil ein Brand an Bord die Fertigstellung verzögert hatte.
Bei ihrer Jungfernfahrt errang die "Bremen" unter Kapitän Leopold Ziegenbein das "Blaue Band", die Trophäe für die schnellste Atlantiküberquerung.
Als am 19.3.1930 die "Europa" ihre erste Atlantiküberquerung erfolgreich beendet hatte, war die "Bremen" das "Blaue Band" schon wieder los. Die "Europa" war schneller.
In den folgenden Jahren erfolgten von beiden Schiffen mehr als 200 Katapultstarts.
Bei einigen Atlantiküberquerungen mussten die Flüge wegen schlechten Wetters ausfallen.

 

Eine weitere Möglichkeit, die Postbeförderungszeit nach Amerika noch weiter zu verkürzen, boten die sog. Nachbringeflüge. Wenn die Schiffe Bremerhaven schon verlassen hatten, wurde ihnen die Post vom Flughafen Köln nachgeflogen und in Cherbourg übergeben. Diese Flüge fanden nur im Sommer statt. Das zusätzliche Porto betrug bis 1934 für 20 g 30 Pfennig, danach 15 Pfennig.
Auch die Reichweite der Flugzeuge wurde größer, so dass später schon 1000 km vor dem Zielhafen das Flugzeug gestartet werden konnte. Das brachte eine noch größere Zeitersparnis für den Transport.
Es wurden nun nicht nur Briefe, sondern auch Zeitungen und Filme der Wochenschau befördert.
Ab Mai 1931 wurden die deutschen Katapultflüge Schleuderflüge benannt.

 

     

Erster deutscher Katapultflug von der Bremen 22.7.1929

 
Bremen Erstflug S.S. Bremen
   

Die Postkarte wurde am 15.7.1929 in Bremen aufgegeben.
Alle Belege dieses Fluges tragen eine Registrierungsnummer, dieser 2799. Der Beleg mit der Nummer 0001 war an den Reichspräsidenten von Hindenburg in Berlin adressiert. Insgesamt sind 11000 Poststücke transportiert worden.

 

Die Bildpostkarte zeigt die "Bremen", Vierschrauben-Turbinen-Schnelldampfer 46 000 Brutto-Register-Tonnen.
Auf der Bildseite trägt sie den Ankunftsstempel New York Jul 22 1929
Landpostaufgabe Haberer 1a

 
   
bremen 22.7.29    

Der Brief wurde am 11.7.1929 in Bad Warmbrunn aufgegeben und mit Luftpost zum Postamt 5 Bremen befördert, wie die Stempel zeigen.
Alle Belege dieses Fluges tragen eine Registrierungsnummer, dieser 2457.
Das Ereignis des ersten deutschen Katapultfluges muss wohl Aufsehen erregt haben, denn man sieht, dass der Brief extra dafür gedruckt wurde.
Auf der Rückseite Durchgangsstempel Berlin C L2 12.7.29 (das war das Berliner Luftpostamt)
und Ankunftsstempel WALL ST. STA. NY JUL 22 1929 3PM

Landpostaufgabe Haberer 1a

 
   
Bremen 22.7.29    

Dieser Brief trägt die Registriernummer 7264 und ist mit dem Poststempel versehen: Deutsch-Amerikanische Seepost Bremen-New York 17.7.29.
Auf der Rückseite der Ankunftsstempel: TRINITY STA. N.Y. JUL 22 1929 3.30 PM

Seepostaufgabe Haberer 1b

 

Brief von der ersten Rückfahrt der Bremen 2.8.1929

 
     
   
New York-Bremen    

Der Brief wurde in New York, Grand Central Sta. am 25. Jul aufgegeben. Auch diese Briefe tragen eine Registriernummer, hier 1900. Hier weiß man genau die Zahl der transportierten Poststücke: 18515
Der Brief ist nach Bern, Schweiz adressiert.
Landpoataufgabe Haberer 2a

   
New York-Bremen    

Der Brief hat die Registriernummer 0261. Er ist mit deutschen und einer amerikanischen Marke frankiert und mit dem Seepoststempel 16.7. 29 versehen. Auf der Rückseite hat er den gleichen Stempel mit Datum 22.7.29 und einen Ankunftsstempel Bremen 1.8.29 15-16, merkwürdiger Weise aber keine Adresse.

   
Bremen   

Manchmal taucht in Sammlerkreisen die Frage nach der Zahl der beförderten Poststücke auf.
Im "Flugbuch Atlantik", Verfasser Jörg-M. Hormann heißt es, dass die Zahl der beförderten Poststücke bei der ersten Fahrt der Bremen nach New York bei etwa 11000 lag. Von der Rückfahrt wüsste man die genaue Zahl: 18515.
Dieser Brief trägt die Zahl 18592.
Also stimmt die Angabe im Buch nicht.
Übrigens hat man die Nummerierung der Briefe nach den zwei ersten Fahrten als zu aufwendig und postalisch wenig sinnvoll aufgegeben.

 
 

Ab Mai 1931 sind die Flüge in Schleuderflug umbenannt

 
     
   
Schleuderflug   

Mit der Fahrt der Bremen am 10.5.1931 wurden die Flüge als Schleuderflüge bezeichnet. Das blieb so bis zur Einstellung dieses Dienstes.

 
 

Letzte Fahrt mit Katapultstart in Richtung New York 2/3.10.1935

 
     
   
2.10.35   

Insgesamt wurden von der "Bremen" 110 Katapultstarts durchgeführt. Dieser Brief stammt vom 109 Start.
Es waren 55 Starts in Richtung New York und 55 in Richtung Europa, wobei wegen schlechten Wetters Starts ausgefallen sind.
Das am 5.10.1931 gestartete Flugzeug verunglückte, beide Besatzungsmitglieder fanden den Tod, von der Post wurde nichts gerettet.
Dieser letzte Start in Richtung New York erfolgte am 2.10. 35 um 7 Uhr. Der Flugzeugführer Graf Schack mit seinem Funkermaschinisten Dierberg erreichte nach einer Zwischenlandung zum Tanken auf der Insel Nantucket und einem Flug von 1369 km um 15:30 New York.
Seepostaufgabe Haberer 217b

 
   
2.10.35   

Die Rückseite ist leer, nur der Absender aus Berlin-Wilmersdorf ist vermerkt. Es handelt sich um ein Roessler Kuvert.
Landpostaufgabe Haberer 217a

 
 

Letzte Fahrt mit Katapultstart in Richtung Bremerhaven 9.10.1935

 
     
   
Letzte Rückfahrt   

Dieser Brief stammt vom 110. und damit letztem Start.
Die Aera der Katapultflüge war beendet. Der Dienst war zu teuer und es gab inzwischen andere schnelle Beförderungsarten.
US Landpostaufgabe Haberer 218a

 
   

Die "Europa" wurde am 19.3.1930 in Dienst gestellt.

 
Europa Vorläufer Rückseite
   

Die "Europa" unternahm einige Fahrten, an denen kein Katapultstart stattfand. Es waren insgsamt 5 Hin- und Rückfahrten. Die Post, die für diese Fahrten aufgegeben worden war, wurde mit einem Ausfallstempel versehen. 3 Stempeltypen sind bekannt. Hier handelt es sich nach Haberer um den Stempel "C", der ab 16.4. für 4 Fahrten benutzt wurde und der in schwarz oder rot vorkommt.

 

Der Brief sollte laut Beschriftung aus Köln mit dem Zubringerflug zum Dampfer gebracht werden, trägt aber keinen Zubringerstempel.
Er ist mit einem Seepoststempel mit Datum 12.8.30 versehen, ein Datum, dass in der einschlägigen Literatur für die Fahrten nicht vorkommt, das gibt es aber öfter.
Er hat einen Eingangsstempel Norristown 13. Aug 1930

 
   

Vorläuferbrief der "Europa" Katapultflüge

 
Nachbringeflug Rückseite
   

Landpostaufgabe mit Nachbringeflug, Bremen 4.8.30. Es handelt sich mit Sicherheit um den selben Absender und den selben Termin. Dieser Brief ist mit dem Nachbringeflugstempel versehen. Der Ausfallstempel ist rot.

 

Die Rückseite ist bis auf einen Stempel - Foreign Section - leer. Der Brief ist verschlossen, nie geöffnet, genau wie der darüber. Es handelt sich also um reine Sammlerbriefe. Haberer 29a

 
 

Erster Katapultflug vom Dampfer "Europa" nach New York und Rückflug nach Southampton

 
Europa Hin- und Her
 

Dieser Sammlerbrief wurde als Einschreiben am 6.9.1930 in Bern/Schweiz aufgegeben. Für den Rückflug nach Bremerhaven ist er in New York nur als einfacher Brief frankiert. Beide Teile des Briefes tragen den entsprechenden Katapultflugstempel. Ein aufwendig gemachter Beleg eines Sammlers oder Händlers, der sogar das Kuvert dazu drucken ließ.

 
Rückseite
 

Auf der Rückseite sind diverse Ankunftsstempel aus New York vom 15.9.1930 und der Ankunftsstempel von Bremerhaven 23.9.1930. Im Haberer Katalog ist dieser Brief gelistet unter Flug Nr. 31 Vertragsstaatenpost Schweiz und Rückflug mit Nr. 32

 
   
Europa Erstflug    

Die Europa, das Schwesterschiff der Bremen, konnte erst ein Jahr nach der Jungfernfahrt der Bremen in Dienst gestellt werden. Ein Brand kurz nach dem Stapellauf hatte die Fertigstellung verzögert.
Die Postkarte wurde am 8.9.1930 am Luftpostamt Berlin C2 aufgegeben und mit Luftpost (aus Köln) zum Dampfer befördert.
Nach Haberer Nachbringeflug Nr. 31c

 
   
Europa-Erstflug    

Ebenfalls ein Brief vom ersten Katapultflug vom Dampfer Europa, aufgegeben in Stuttgart am 6.9.1930
Auch das ist ein sog. Nachbringeflug. Die Post wurde mit einem Flugzeug zum Dampfer nach Cherbourg geflogen. Dadurch konnte Zeit gespart werden.
Haberer 31c

 
   
Europa Erstflug    

Bei dem Brief, auch von der ersten Fahrt der Europa, handelt es sich um eine Seepostaufgabe, d.h. der Brief ist auf dem Schiff aufgegeben und dort auch gestempelt worden.
Haberer 31b

     

Erste Rückfahrt "Europa"

 
New York-Bremen Rückseite
   

Postkarte von dem ersten Katapultflug der Europa auf der Strecke New York- Southampton am 21. September 1930. Die Post wurde mit dem Katapultflugzeug nach Southampton geflogen, von dort per Automobil nach London gebracht und weiter mit einem Postflugzeug nach Köln. Kastenstempel: Mit Luftpost befördert Postamt Köln Flughafen

 

Die Bildpostkarte zeigt die "Europa", Vierschrauben-Turbinen-Schnelldampfer

 
     
21.9.30   

Rössler Briefumschlag, Landpostaufgabe zum ersten Katapultflug von der "Europa" nach Southampton 21.9.1930. Bestimmungsort Brüssel.

     
   
 Europa  

Seepostaufgabe und Weiterflug von Köln nach Frankfurt/Main

 
 
 

Letzte Fahrt der "Europa" mit Katapultstart nach USA 26.9.35

 
     
   
26.9.35   

Am 26.9.1935 startete das letzte Katapultflugzeug von der Europa nach USA.

 

Letzte Fahrt der "Europa" mit Katapultstart nach Europa 2.10.35

 
     
   
2.10.35   

Am 2.10.136 erfolgte der letzte Start eines Katapultflugzeuges von der "Europa" nach Europa.

Leider hat dieses Originaldokument kein Datum


 Flyer
     

Postkarte 22/23.8.1934

 

Bildseite dieser Karte


Start
 
 
Bild
 

Ab Mai 1931 werden die Flüge nicht mehr als Katapultflug bezeichnet,
sie tragen jetzt in ihrem Stempel die Bezeichnung
"Deutscher Schleuderflug".
Die Postkarte ist auf See aufgegeben worden, also nach Haberer eine Seepostaufgabe Nr. 173b.

 

Der Text auf der Karte lautet:
The plane pictured at the other side will carry this card from aboard our ship to New York.
Auf Deutsch etwa:
Das Flugzeug, das auf der anderen Seite abgebildet ist, wird diese Karte von Bord unseres Schiffes nach New York transportieren.

 
 

Vertragsstaatenpost und Mitläuferpost

 
     
   
Österreich    

Vertragsstaatenpost: Die Deutsche Reichspost schloss mit verschiedenen europäischen Postverwaltungen Verträge über die Teilnahme am Katapultflugdienst ab.
Es waren dies: Dänemark, Danzig, Estland Liechtenstein, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Saargebiet, Schweiz und Ungarn.
Es gibt aber auch noch die sog. Mitläufer, das sind Poststücke aus Ländern, mit denen kein Vertragsverhältnis bestand.
Sie sind im allgemeinen dadurch kenntlich, dass das Flugpostporto in deutschen oder US-Briefmarken entrichtet wurde.
Quelle: Haberer-Katalog


Der Brief ist am 7.7.1930 in Wien aufgegeben und mit österreichischen Marken frankiert.
Haberer 18Au

 
   
Niederlande    

Dieser Brief wurde am 19.7.1932 in Amsterdam Centr. Station aufgegeben.
Er ist ausschiesslich mit niederländischen Marken frankiert.
Haberer 95Nl


 
   
 Schleuderflug_ausgefallen  

Es gibt aber auch einige Fahrten der Dampfer, bei denen die Postbeförderung per Schleuderflug nicht durchgeführt werden konnte. Meist hatte in solchen Fällen das Wetter schuld.
Dies ist ein Brief, bei dem der Schleuderflug ausfallen mußte, gestempelt Amsterdam Centr. Station 13.V.1933.
Haberer Vertragsstaatenpost mit Katalognummer 114NL
Einige wenige Briefe tragen den für den Flug vorgesehenen Schleuderflugstempel, den hat dieser nicht.
Auf der Rückseite ist ein Stempel, der wie ein Prüfstempel aussieht - HELMS -. Kennt jemand einen Prüfer dieses Namens?


 
     

Brief aus Leningrad 24.9.1933 nach USA

 

Rückseite dieses Briefes


Russland
 
 
Rückseite
 

Das ist ein sog. Mitläuferbrief.
Das Porto von Leningrad nach Berlin ist in russischer Währung entrichtet.
Die Gebühr für den Katapultflug nach USA wurde in deutschen Marken verklebt.
Die russ. Marken sind mit einem Luftpoststempel 24.IX.33 versehen, die deutschen Marken mit Berlin C2 - 25.9.33.
Einschreibstempel Leningrad (in lateinischen Buchstaben), Luftpostzettel in Kyrillisch und Französisch, Luftpoststempel Berlin und Luftpoststempel Köln. Dazu Schleuderflugstempel der Bremen 1./ 2. Oktober 1933.

 

Auf der Rückseite noch eine deutsche Marke, die vorn keinen Platz gefunden hat mit Stempel Köln.
Stempel Leningrad (in kyrillischen Buchstaben) 24.9.33
und div. Eingangsstempel New York vom 2.10.33.
Ein interessantes Stück, aber wie man bei der Aufmachung vermuten muss, ein Sammlerbrief.
Dass der Brief nicht geöffnet ist, bestätigt diese Vermutung.
Haberer 147 R

 
 

Einige interessante Texte

 
     
   
Karte 8.5.30    

Wie in dem Faltblatt oben zu lesen, sind die Stempel der Katapultflüge für Sammler interessant gewesen.
So lautet der Anfangstext dieser Karte:

- Sehr geehrter Herr Drosihn! Schicke drei Briefe mit dem Dampfer "Bremen" ab. -

Zwei davon habe ich gefunden.
Es handelt sich wohl beim Großteil der erhaltenen Briefe um Sammlerstücke.
Von echten Bedarfsbriefe sind wahrscheinlich nur wenige erhalten geblieben. Haberer 11a


 
   
     
Brief 8.5.30
 
  Brief 8.5.30
 

Die Briefe haben einen interessanten Laufweg.
Gestempelt in New York am 2. Mai 1930 um 10 Uhr Vormittag.
Vom Dampfer Bremen wurden sie mit dem Katapultflug nach Southhampten gebracht, von dort Weiterflug nach Köln.
Vom Flughafen Köln mit Luftpost befördert

 

zum Flughafen Halle/Leipzig (Schkeuditz)
Von dort wieder per Luftpost nach Magdeburg
Von Magdeburg mit normaler Postzustellung nach Schönebeck an der Elbe (bei Magdeburg)
Die Rückseite des Briefes ist nicht bestempelt

 
   
Bremen   

Es ist wohl der atraktivste Stempel der Katapultflüge, benutzt auf der Fahrt am 13.7.1932 von New York nach Bremerhaven. Der Brief ist auf dem Schiff nach New Jersey aufgegeben, also in Southampton mit dem nächsten Schiff in die USA zurück befördert worden. Einen Eingangsstempel hat er leider nicht.


 
   
Brief des Kapitäns   Absender Ziegenbein


 

Im Gegensatz zu den Briefen oben, scheint es sich hier um einen Bedarfsbrief zu handeln, den der Kapitän der "Bremen",   Leopold Ziegenbein, von seinem Schiff abgeschickt hat.

 

Der Brief ist an Bord der "Bremen" gestempelt 28.9.32
Haberer 110b

 
 

Im Herbst des Jahres 1935 enden die Katapultflüge. Der letzte Katapultflug wurde von der Europa am 2.10.1935 durchgeführt und von der Bremen am 9.10.1935.
Die Nachbringeflüge wurden bis August 1939 für beide Schiffe weitergeführt, dann begann der 2. Weltkrieg.
Die Franzosen hatten die Flüge von der Ile de France schon im Jahr 1930 eingestellt.
Eine interessante Internetseite zu der Geschichte der Schleuderflüge habe ich hier gefunden.
Es gab in der Zeit auch noch andere Versuche, die Postbeförderung durch Flugzeuge zu beschleunigen, so "Adams Pick Up System", bei dem die Postsäcke im Vorbeiflug mit einem Haken aufgenommen wurden.
Einige Briefe dazu in "Adams Pick Up Post" .